Verbot, Verfolgung und Standhaftigkeit (1938 – 1945)
Katholische Couleurstudentinnen und Couleurstudenten
in Widerstand und Verfolgung!

Im Kampf gegen den Nationalsozialismus
1938 – 1945
Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Regime 1938 wurde die K.T.St.V. Alemannia sofort verboten. Unsere Bude wurde beschlagnahmt, das Eigentum entwendet.
Doch der Zusammenhalt ließ sich nicht verbieten. Zahlreiche Bundesbrüder aktiver und alter Semester leisteten aus tiefster christlicher Überzeugung Widerstand – in der Illegalität, in der Tiroler Widerstandsbewegung oder im Geheimen.
Viele bezahlten diese Zivilcourage mit Haft, Folter und dem eigenen Leben.
„Man darf nicht nur dagegen sein, man muss auch etwas tun“
– Sophie Scholl
Hans Vogl (1895 – 1944)
Johann Nepomuk (Hans) Vogl v/o Schnüffl
Beruf: Lehrer
Verfolgung/Haft
Haft 10.04.1942 – 08.01.1943
KZ Dachau 08.01.1943 – 23.09.1943
Haft 23.09.1943 – 30.06.1944
Ermordet am 30.06.1944
Dr. Dr. h.c. Reinhold Stecher (1921 – 2013)
Bischof Dr. Dr. h.c. Reinhold Stecher v/o Laurin
Beruf: Bischof von Innsbruck
Verfolgung/Haft: Haft 1941 (zwei Monate)
Er maturiert 1939 am Humanistischen Gymnasium Angerzellgasse in Innsbruck. Nach einem achtmonatigen Einsatz beim „Reicharbeitsdienst“ in Ehrwald/Tirol und Nassereith/Tirol tritt er im November 1939 in das Priesterseminar in St. Michael in Matrei am Brenner ein. 1940 wird auch dieses Seminar von den Nationalsozialisten aufgehoben und die Seminaristen müssen nach St. Georgen am Längsee in Kärnten übersiedeln.
Reinhold Stecher wird dann wegen einer verbotenen Wallfahrt nach Maria Waldrast von der Gestapo verhaftet. „Im Jahre 1941 wurde ich als Theologiestudent unter der Anschuldigung verhaftet, bei der Organisation einer Wallfahrt tätig gewesen zu sein. Nach zweimonatiger Einzelhaft kam ich im letzten Augenblick vom Transport ins KZ weg und wurde zur Wehrmacht einberufen.“ Er dient in einer Gebirgsjägerkompanie „als einfacher Soldat“. Nach Fronteinsätzen in der Winterschlacht in Nordrussland (Petersburg-Leningrad und Moskau) 1941/42 wird er verwundet und kehrt zur Genesung kurz nach Hause zurück. Dann folgen drei Jahre in Karelien, Finnland, Lappland und Norwegen. In dieser Zeit hat er auch Kontakt zu Kameraden aus der bekennenden evangelischen Kirche gefunden, „mit denen man sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus eins wusste.“.
Nach 3.600 km Fußmarsch erreicht er im November 1945 die Heimat Tirol
DDr. Alois Lugger (1912 – 2005)
Beruf: Bürgermeister
Verfolgung/Haft: Entlassung 1938
Arbeitsverbot für Tirol und die „Ostmark“ 1938
ach dem Anschluß im März 1938 wird er als Landesbediensteter entlassen und mit einem Arbeitsverbot im Gau Tirol und dann für die ganze „Ostmark“ belegt. Daher ist er zuerst als Wirtschaftsjurist in Wien und dann in Berlin (Rechtsberater bei der AEG) tätig. 1940 wird er zur Deutschen Wehrmacht (Flak) eingezogen und kehrt mehrfach verwundet zurück (letzter Dienstgrad Oberleutnant der Reserve).
Josef Egg (1891 – 1958)
AH Hofrat Josef Egg v/o Dr. cer. Thassilo
(11.03.1891 – 29.06.1958)
Josef Egg wurde am 13. März 1938 bis zum 12. April 1938 von der Gestapo in Schutzhaft genommen, weil er sich weigerte der NSDAP beizutreten und den Eid auf den Führer abzulegen.
Er wurde als Direktor und Lehrer der Knaben Bürgerschule in Hall enthoben und verlor auch seinen Posten als Leiter der Fortbildungsschule in Hall in Tirol.
Ab Herbst 1938 bis 1939 unterrichtete er als Hauptschullehrer mit gekürzten Bezügen in Landeck, von 1939 bis 1942 in Telfs. Er wurde von der Gestapo interniert, stand unter deren Aufsicht und durfte den jeweiligen Ort nicht verlassen. Trotz aller Repressalien entschloss er sich aktiv gegen das NS-System Widerstand zu leisten. Er gründete in Landeck und in Telfs mit Gleichgesinnten in der Lehrerschaft einen antinationalsozialistischen Widerstand.
1943 wurde Josef Egg wieder nach Solbad Hall versetzt. Worauf er sich sofort der Haller Widerstandsgruppe um Anton Haller anschloss.
Die Aufklärung der Jugend im antinationalsozialistischen Sinn gehörte zu den Zielen der Haller Widerstandsbewegung, die von Josef Egg ausgeführt wurde.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Josef Egg als Direktor der Knaben Bürgerschule in Hall wieder eingesetzt. Ab dem Jahr 1947 war Schulrat Josef Egg im Haller Gemeinderat im Dienst-und Rechtsausschuss tätig.
Dr. Walter Waitz (1902 – 1979)
Priester Dr. Walter Waiz
(27.08.1902 – 30.08.1979)
Beruf: Priester
Verfolgung/Haft: Haft 30.03.1940 – 17.06.1940
Haft 29.11.1940 – 20.12.1940
Gauverbot
Anton Plattner (1906 – 1958)
Priester Anton Plattner
(13.11.1906 – 25.11.1958)
Beruf: Priester
Verfolgung/Haft: Haft 1939 und 1941
Die Gottesdienste Anton Plattner, seit 1937 Pfarrer in Innsbruck-Amras, haben einen starken Zulauf. Aufgrund seiner Predigten muss er an die siebzig Verhöre durch die Gestapo und zwölf Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. 1939 und 1941 wird er im Innsbrucker Polizeigefängnis eingesperrt. 1941 soll er nach Berlin überstellt werden und nur das beherzte Eintreten der Stecher-Bäuerin, Maria Mayr, rettet ihn davor. Mit umgehängtem Mutterkreuz macht sie den Verantwortlichen mit den Worten „…wenn der Führer wüßte, was ihr macht…“ klar, dass der Pfarrer freizulassen ist.
Unter seinem Vorsitz kann der TMV am 16.6.1945 wieder seine Arbeit aufnehmen.
Ernst Hundegger (1906 – 2001)
Ernst Hundegger
(02.01.1906 – 05.05.2001)
Beruf: Direktor
Verfolgung/Haft: Haft 12.03.1938 – 26.04.1938
Widerstandskämpfer (unentdeckt)
Er arbeitet bis 1938 als Angestellter der Verlagsanstalt Tyrolia und als Sekretär der Arbeiterkammer.
Nebenbei ist er Landesführer des Österreichischen Jungvolkes und am 11.3.1938 damit beschäftigt, Propagandamaterial für die abgesagt Volksabstimmung gegen den Anschluss in die Bezirke zu transportieren. Dabei wird er am 12.3.1938 in Landeck verhaftet, in das Landesgericht Innsbruck verlegt und wiederholt von der Gestapo verhört. Nach 6 Wochen wird er entlassen, kann sein Studium aber nicht fortsetzen und findet als Bauarbeiter ein Unterkommen. Er wird 1939 zum Militär eingezogen und gründet in Norwegen die CV-Runde „Kirkenesia“. Er betätigt sich auch in der Österreichischen Widerstandsbewegung und ist hier im April 1945 als Gebietsführer für das westliche Mittelgebirge im Raum Götzens/Grinzens eingesetzt. Er kehrt als Oberleutnant aus dem Krieg zurück, nachdem er die Eismeerfront überlebt hat.
Ing. Carl Hirnschrott (1907 – 1981)
Ing. Carl Hirnschrott
(01.12.1907 – 19.04.1981)
Beruf: Beamter
Verfolgung/Haft: Widerstandskämpfer (unentdeckt)
1927 unterbricht er seine schulische Ausbildung und leistet drei Jahre beim Österreichischen Bundesheer seinen Wehrdienst. 1930-1932 kehrt er zur HTL zurück und maturiert. Anschließend tritt er den Dienst bei der Post- und Telegraphenverwaltung an und ist im Peildienst der Funküberwachung beschäftigt.
Nach dem Anschluss wird er wegen seiner Mitgliedschaft in der christlichen Gewerkschaft und wegen seiner offenen vaterländischen Einstellung außer Dienst gestellt. Eine Hausdurchsuchung bringt aber kein Belastungsmaterial. Daraufhin wird er am 22.3.1938 wieder eingestellt, aber auf einen minderwertigen Posten im Postdienst. Am 2.1.1939 erfolgt die Versetzung nach Berlin und später nach Gumbinnen/Ostpreußen. Ab Sommer 1943 ist er im Reichspostzentralamt in Berlin eingesetzt.
In dieser Zeit hat sich eine Gruppe antinationalsozialistischer Postler zusammen mit einem größeren Kreis heimattreuer Österreicher unter der Leitung von Karl Gruber zusammengefunden, die sich antifaschistische Front [AGFA] nennt. Carl Hirnschrott wird im Herbst Leiter der Störbefehlsstelle Berlin-Beelitz, die die Aufgabe hat, deutschsprachige Sendungen der Feindmächte zu stören. Hier gelingt ihm der Austausch fanatischer deutscher Beamter durch verlässliche Österreicher. So entsteht in dieser Dienststelle ein Zentrum der Widerstandsbewegung, in das von Berlin aus auch die Störbefehlsstellen in Paris, Kopenhagen und Mailand mit einbezogen werden können.
Carl Hirnschrott übt verschiedene Tätigkeiten in der Funküberwachung und im Entstörfunkdienst aus. Er ist an verschiedenen Orten eingesetzt: in Berlin, München, Prag, Melnitz und Beelitz-Mark sowie zuletzt in Lobenstein-Thüringen. Von hier kehrt er am 17.4.1945 nach Innsbruck zurück, wo er mit Karl Gruber im Sanatorium der Kreuzschwestern zusammentrifft. Während seines Urlaubsaufenthalts in Innsbruck 1944 hat Carl Hirnschrott bereits begonnen, beim Fernmeldedienst eine Widerstandszelle aufzubauen, die er nach seiner Rückkehr 1945 mobilisiert und ausbaut. Diese Gruppe Reichspost unter seiner Führung erhält nun den Auftrag, die Fernmeldeanlagen unbeschädigt zu erhalten und einen Abhördienst aufzubauen. Er ist maßgeblich daran beteiligt, mit seinen 14 Mitarbeitern das Landhaus, die Reichspostdirektion und die Polizeidirektion in Innsbruck sowie den Rundfunksender in Aldrans noch vor dem Einmarsch der Amerikaner zu besetzen. Über den Aldranser Sender verliest Eduard Grünewald einen Aufruf, den er immer wiederholt:
“ Österreicher! Tiroler! Innsbrucker! die Stunde eurer Befreiung ist gekommen. die gesamte Südfront hat kapituliert. Die alliierten Truppen stehen vor Innsbruck. Jeder weitere Widerstand wäre nicht nur zwecklos, sondern er ist ein Verbrechen an Volk und Staat . … „
Auch wenn die gemeldete Totalkapitulation eine bewusste Falschmeldung gewesen ist, so hat dieser Aufruf nach Karl Gruber „wie eine helle Freiheitsfanfare“ gewirkt. Als am Abend des 3. Mai um 22.00 Uhr der amerikanische Fernmeldeoffizier in der Postdirektion eintrifft, ist der Auftrag des Widerstands erfüllt und der Krieg vorbei.
1945: Der Neubeginn auf den Trümmern der Diktatur

Das erste Semesterprogramm nach dem Krieg symbolisiert das Ende der braunen Tyrannei. Die Alemannia stand sofort wieder für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte ein.
